im Mai

möchte ich den Großen Vorsitzenden einfach nur danken für die Lockerungen der coronabedingten Beschränkungen. Das erste Mal durfte die Mutter wieder besucht werden, das erste Mal wieder ein Friseur in Anspruch genommen. Und inzwischen – ich konnte mein Glück kaum fassen – durfte ich das erste Mal (selbstverständlich anderthalb Meter von anderen Gästen entfernt) in einem Restaurant essen, bedient von maskierten Kellnern.

Ich maskiere mich nicht. Erstens habe ich Asthma und zweitens keine Angst vor Corona.

Es sind spannende Zeiten dank dieses Virus. Wie lange eine Gesellschaft durchhält, werde ich jetzt live miterleben müssen. Die Wirtschaft übersteht diese Krise jedenfalls nicht. Schon jetzt wird von der schwersten Rezession gesprochen. Die ganz wahrscheinlich Massenarbeitslosigkeit plus Begleiterscheinungen mit sich bringt. Aber vielleicht bekommen wir alle ja auch eine zweite Chance….

im April

kam ich zu der Überzeugung, dass ein Virus schafft, was Appelle, Gebote, Gesetze und Verordnungen vergebens versuchen: für Stille sorgen, für Gemächlichkeit, Rücksichtnahme, schnelle Entscheidungen und deren Durchsetzung, für freie Auto-Parkplätze und leere S-Bahn-Sitzplätze. Taschendiebe und Einbrecher zogen sich zurück in ihre Heimatdörfer und die im-Namen-Allahs-Schlächter ließen sich auf Waffenruhen ein. Alles wegen Corona.

Das dicke Ende kommt natürlich noch. Im Herbst wird sich zeigen, wieviele tausend Selbstständige, Unternehmer und prekär Beschäftigte die harten Beschränkungen nicht überstanden haben. Und dann muss selbstverständlich Vater Staat helfen. Derselbe Vati, der seine Untertanen erst in Angst und dann in Abhängigkeit versetzte. Schon heute zeigt Vati ein kleines bißchen die Krallen: im Namen der großen Grippewelle werden schon mal Grundrechte aufgeweicht oder ausgesetzt. Wir braven Bürgerlein nehmens hin, machens mit, findens gut (Sonntagsfrage 05.04.2020: 88 Prozent der Befragten bescheinigen der Bundesregierung ein gutes Krisen-Management). Na dann…. ist ja alles i.O.

im März

fange ich an, mich gedanklich auf ungute Veränderungen vorzubereiten. Corona hält die halbe Welt in Atem, viele Länder veranlassen straffe Gegen- oder Vorsichtsmaßnahmen, täglich werden neue Einschränkungen bekannt, Reisen sollte man sich ganz abgewöhnen (die Klimaschützer muss das freuen), freudlose Zeiten drohen (Theater, Kinos, Konzerte, Festivals, Klubs bleiben zu) und ich befinde mich quasi in Quarantäne. Die Beschäftigten des rbb, die an mehreren Standorten tätig sind, so wie ich, müssen vorläufig an einem bleiben und nur dort arbeiten – in meinem Fall ist das Potsdam-Babelsberg. Tja… Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit der Corona-Abwehr, dann müsste sie ganz Deutschland mal für zwei Wochen zur Sperrzone machen. (aber vorläufig kommen hier noch munter Flugzeuge und Busse aus aller Welt an)

Corona dürfte für eine ernsthafte Krise sorgen. Vielleicht, möglicherweise, eventuell sorgt diese Krise aber auch für Besinnung, Neuordnung und Fortschritt….

Von Besinnung kann bei der türkischen Regierung keine Rede sein, die entschied, rund drei Millionen Flüchtlingen die Tore zur EU zu öffnen. Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus! Und ich bedaure zutiefst die Griechen und Bulgaren, die buchstäblich den Kopf hinhalten….

im Februar

hatten wir einen „Tag der Schande“ (Andreas Geisel, SPD, Innensenator), des „Tabubruchs“, einer „unverzeihlichen“ Wahl, die „rückgängig“ gemacht werden muss (Angela Merkel, CDU, Bundeskanzlerin), den Tag, als eine Linken-Landeschefin einem frisch gewählten Regierungschef einen Blumenstrauß vor die Füße wirft…… und einen Tag darauf wirft der frisch gewählte Regierungschef hin (der Druck war wohl zu groß … die Schelte half) Puh! Das ging nochmal gut…. Demokratie wieder hergestellt! In Deutschland haben wir Meinungsfreiheit und stehen auf gegen Hetze und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden!

im Januar

in diesen frühlingshaften Tagen machen ausgiebige Wanderungen in der Umgebung Berlins Laune. Die Hündin freuts. Sie kommt aus Russland, ihr kanns nicht kalt genug sein, ihr dicker Pelz hält einiges aus. Neulich nahm ich sie das erste Mal mit in die ANTENNE-Brandenburg-Redaktion. Allerdings zu einer Nachtschicht…. da war ich ganz allein mit ihr. Sie verhielt sich vorbildlich.

Was wohl das neue Jahr für uns bereit hält? Ich bin wieder richtig gespannt.

Fassungslos machen einen ja gleich bei den ersten Nachrichten-Schichten Meldungen wie diese: ein übermotivierter iranischer Soldat hat eine Boeing mit einem Marschflugkörper verwechselt und den roten Knopf gedrückt. 176 Menschen hat das das Leben gekostet. Sie alle waren garantiert unschuldig an der Auslöschung des iranischen Al-Kuds-Chefs, die die US-Amerikaner sich auf die Fahnen schrieben. Kann es schlimmer kommen?

im Dezember

habe ich schon viel zu viel von dem gegessen, was bunte Teller hergeben. Ich schaff und schaff es einfach nicht, Elisen-Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine, selbstgebackene Plätzchen und vor allem Christstollen aus der Heimat zu ignorieren. Die Glücklichen (oder Unglücklichen?), denen derlei Süßkram vollkommen wurscht ist! Was solls, ich schnall einfach den Gürtel weiter….

Enger schnallen müssen wir – wenn die Vorhersagen und Wirtschaftsexperten Recht haben – unsere Gürtel noch früh genug. Zum Einen, weil die Klimarettung kostet (vor allem das Geld von Steuerzahlern), zum Anderen, weil ein Unternehmen nach dem anderen Entlassungen verkündet. Zehntausende in der Autoindustrie, tausende in der verarbeitenden Industrie; selbst in der Nichtindustrie, wie dem Banken- und Versicherungssektor werden in nächster Zeit tausende Arbeitsplätze wegfallen. Und auch die Medienlandschaft wird sich mächtig verändern. Gewaltige Sparprogramme wollen umgesetzt, der vollkommen veränderten Hörer-, Zuschauer-, Leserschaft muss Rechnung getragen werden. Aktuell bekommt das rbbKultur (Kulturradio) zu spüren. Mich und sieben weitere Kollegen braucht es jedenfalls ab Mitte 2020 nicht mehr.

Aber jetzt genieße ich erst einmal Advent und dann Weihnachten (die „entscheidenden“ Tage verbringe ich dieses Jahr allerdings bei Inforadio). Und ich wünsche mir, dass alle es ein bißchen wohlig haben. Und dass es friedlich bleibt… wenigstens während der Feiertage

im November

, speziell am Neunten dieses Jahres, denke ich natürlich zurück an den MAUERFALL. War ja eigentlich mehr eine Grenzöffnung. Ein bißchen muss ich darauf bestehen, dass die WENDE nicht so sehr in Berlin, sondern viel früher und viel mehr in der belächelten Provinz eingeleitet wurde. Und die Tapferen, die in Berlin Widerstand leisteten, kamen fast alle aus der Provinz. Aus Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Jena, Erfurt und so. Ich saß am 9. November 1989 relativ nichtsahnend aber in seit Wochen gespannter Verfassung mit meinen Kollegen vom Kabarett „Lachkartenstanzer“ (heute: Chemnitzer Kabarett) zusammen, als per Tagesschau die unglaubliche Nachricht kam, dass die Ausreise aus der DDR ab sofort auch ohne Genehmigung möglich ist. Was wäre ich da gern in Berlin gewesen! Aber einfach alles stehen und liegen lassen, um mal in den Westen zu gucken, das brachte ich nicht fertig. Ich wartete bis Samstag nach dem Mauerfall, um zum ersten Mal nach Westberlin rein zu fahren. Unglücklicherweise zuerst nach Wedding. Wie unspektakulär, wie wenig bunt und duftend! Acht Jahre später fuhr ich zum Arbeiten täglich mitten rein in den Glitzerwesten. Zu RTL-Radio am Ku´damm.

im Oktober

konnten wir uns mal nicht beschweren: astreines Wetter zeigte sich (mit ausreichend Regen und Sonne), „wie in der Schrift“.

Ganz egal ist Wetter ja bei Feierlichkeiten im großen Rahmen in großem Saal. So geschehen beim Klassentreffen. Die ganze Jahrgangsstufe war eingeladen. Fast 70 kamen zusammen. Fazit: Es geht kein Freundschaftsgefühl über das der Kinder- und Jugendjahre. Wir, selbstverständlich mit mehr Kilos, mehr Falten, mehr Erfahrung, weniger oder weißen Haaren, gingen miteinander um, als seien wir noch immer 16. Und es stellte sich heraus, nein, es zeigte sich wieder einmal: war man mit 16 mit dem oder der auf einer Wellenlänge, ist man das auch 40 Jahre später.

Meine Freude über unser aller Wiedersehen trübten auch Nachrichten dieser Art nicht: Die Türken wollen auf syrischem Boden „aufräumen“ und nennen das Sicherheitszone schaffen. Dummen Linken (nein, es sind keine „Aktivisten“) passen Auftritte oder Lesungen von Politikern wie Bernd Lucke und Thomas de Maiziére nicht und sie verhindern sie. Deutschland geht es wirtschaftlich immer schlechter. Entlassungswellen regen die Öffentlichkeit aber nicht weiter auf (kaum Empörung, kein Generalstreik in Sicht) Tja, so lange es einen nicht selbst betrifft……

im September

rücken nicht nur der Herbst, sondern auch unabsehbare Kosten näher. Weil wir das Klima retten wollen. Das Klimakabinett verabschiedet ein Klimapaket (CO2-Steuer heißt nicht CO2-Steuer, Flugtickets nur ein bißchen teurer, Neubau nur noch klimaneutral – darf aber nicht so viel kosten, der Neubau) und die Jugend ruft zum großen Klimastreik auf. Will die Regierung zwingen zum Klimaschutz. Dabei lässt die Regierung doch nachdenken und durchrechnen… sie ist echt einig mit der rebellischen Jugend. Überhaupt sind sich alle seltsam einig. Kein Widerstand, nirgends. Wo sind die Künstler, Denker, Bands, Kabarettisten, Aktivisten, die die Regierung/Politik kritisieren? Man hört sie kaum. Stattdessen Staatskünstler (erfolgreich), die sich von Ministern und Präsidenten beklatschen lassen. Sofortiges Misstrauen! (ich rede nicht von Hiphoppern wie Timati oder dem muslimischen Superstar Maher Zain – der eine besingt Putin, der andere wird von Erdogan verehrt)

Aber ich will mich nicht wundern. Sondern mir treu bleiben. Nur weil es mir tausendfach entgegengerufen (oder-geschrieben) wird, muss etwas noch lange nicht gut für mich sein. Da bin ich besonders vorsichtig.

im August

erfreue ich mich an den Spätsommertagen und -abenden. Die sollten so lange es geht genutzt werden. Im T-Shirt draußen sitzen, schwimmen in den lauwarmen Brandenburger Seen, grillen, das neugekaufte Sommerkleid ausführen…. Arbeiten gehe ich natürlich auch. Nach einem ausgiebigen Urlaub in Finnland freute ich mich auch wieder auf meine Sprecher-Dienste bei Inforadio und die Redakteursschichten bei rbbKultur und Antenne Brandenburg.

Am wichtigsten Tag des Jahres, dem der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, habe ich frei. Ich habe Wahlkämpfe und -reden aufmerksam verfolgt, auch die Berichterstattung darüber – und mir mein eigenes Bild gemacht. Von Vor-Wahlgeschenken wie jetzt der angekündigten Abschaffung des Soli ab 2021 halte ich gar nichts! Jeder weiß doch, dass derartige Zugeständnisse an anderer Stelle wieder „draufgepackt“ werden. Als nächstes kommt ja eine CO2-Steuer….